Vegetationsbrandgefahr: Hinweise zur aktuellen und generellen Lage

von Dr. Ulrich Cimolino, Vorsitzender AK Waldbrand im FA ELU, DFV

Das Jahr 2020 hat zwar mit viel Regen die Grundwasserspeicher wieder in vielen Bereichen – aber nicht überall! – etwas angefüllt. In weiten Bereichen v.a. in Mittel- und Ostdeutschland sind die Pegel aber noch weit vom Normalstand entfernt.

Auskünfte darüber können über die ländereigenen Informationsdienste eingeholt werden, hier einige Beispiele, die Darstellung und der Bezug ist leider völlig unterschiedlich:
Bayern: https://www.nid.bayern.de/grundwasser (online direkt von jedem abrufbar)
Brandenburg: https://geobroker.geobasis-bb.de/gbss.php?MODE=GetProductInformation&PRODUCTID=2FE302D7-0ADA-4AFF-B6B3-15AA98C229D7 (Download einer Software notwendig)
NRW: https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/wasser/grundwasser/grundwasserstand/grundwasserdaten-online (Zugang nur über das Behördennetz!)

In weiten Bereichen Deutschlands liegen neben den Trockenschäden aus den letzten Jahren immer noch massive Sturmschäden vor. Diese werden gefolgt von größeren Flächen mit Schädlingsbefall (mittlerweile auch in immer größeren noch stehenden Beständen). Ein Beraumen der Flächen erfolgt oft nicht (Naturschutz, wirtschaftliche Gründe), oder nur rudimentär. Häufig bleibt der Schlagabraum in größeren Haufen oder Streifen mitten im Wald oder an dessen Rand liegen. Brennt so ein Abraumhaufen neben der – ggf. einzigen – Zufahrtsstraße, ist der Bereich auch für Einsatzfahrzeuge nicht mehr erreichbar, bis der Haufen nicht gelöscht ist.

Aktueller Hinweis zur Gefahrenlage:

Es ist in der anlaufenden Vegetationsperiode seit einigen Tagen sehr trocken. Obwohl es für die Jahreszeit zu kalt ist, führen die anströmenden kontinentalen, damit weitgehend trockenen Luftmassen auch bei uns zu einer meist sehr geringen Luftfeuchtigkeit, die das Austrocknen der Oberflächen begünstigt.

Das zeigt sich seit Tagen schon in den Entwicklungen der beiden Indizes des DWD:

Der Graslandfeuerindex ist mittlerweile (Stand: 26.03.2020) für fast ganz Deutschland durchgehend rot (Stufe 4 von 5)!
https://www.dwd.de/DE/leistungen/graslandfi/graslandfi.html

In einigen Bereichen steht auch schon der Waldbrandgefahrenindex bei 4.
https://www.dwd.de/DE/leistungen/waldbrandgef/waldbrandgef.html

Da es die nächsten beiden Wochen – und damit bis weit in den April hinein – den Vorhersagen nach in Deutschland im Durchschnitt voraussichtlich weiter eher (zu) trocken bleiben wird, wird sich das Problem der sehr trockenen Vegetation zu Frühjahrsbeginn und der ausgetrockneten Humusschichten am Boden eher verschärfen.

Mit dem Wind sehr schnell laufende Bodenfeuer können sich hier insbesondere in noch stehenden, ausgetrockneten Schilf-, oder wilden Grasbeständen aus dem letzten Jahr entwickeln.
Diese finden sich oft auch an Waldrändern oder in freien Flächen oft ehemaliger (Hoch-)Moore.

Es besteht hier insbesondere die Gefahr, dass sich ein Feuer dann vom Waldrand in den – unter Umständen sehr trockenen oder vorgeschädigten – Bestand oder in den oft am Waldrand liegenden Schlagabraum frisst und dann aus einem Bodenfeuer sehr schnell ein Vollbrand entstehen kann.

Den Feuerwehren ist ergänzend zu den üblichen Maßnahmen zu raten:
1. Enge Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern, -bauern und Förstern bzw. Forst- und ggf. auch Umweltämtern, um lokale Gefahrenlagen erkennen und ggf. zumindest etwas entschärfen zu können. (Z.B. durch Umlagerung oder Abfahren von Schlagabraum, Kürzen oder Mulchen von Schilf- oder Grasbeständen.)
2. Aktualisierung der Einsatzunterlagen, z.B. Anfahrten, Wasserversorgungsmöglichkeiten.
3. Beginn der Öffentlichkeitsarbeit – soweit noch nicht geschehen – zur Vermeidung von Bränden im Freien. (Auch wenn mit den Ausgangsbeschränkungen derzeit ein geringerer Druck in vielen Gebieten da ist, es gibt natürlich v.a. bei gutem Wetter immer noch viele Spaziergänger, Hundebesitzer, Sportler usw., die sich im Freien aufhalten. Je länger die gute Wetterlage dauert und je weiter das „Corona-Thema“ weg erscheint, umso mehr wird die Nutzung der Natur wieder zunehmen.)
4. Im Einsatzfall ist ein sofortiger massiver Einsatz gefragt, um eine Ausbreitung möglichst noch am Anfang zu verhindern! Auch der Einsatz von Hubschraubern mit Außenlastbehältern kann hier schon in der ersten Phase wertvolle Hilfe liefern.